Pu-erh Tee auf einen Blick

Pu-erh Tee (Puercha 普洱茶 – manchmal auch Puer, Pu'er, Bo-lay) ist seit ein paar Jahrzehnten erst bei uns im Westen bekannt. Ranken bis heute viele Mythen hier und in Asien um diesen Tee ist es jedoch letzten Endes auch nur eine Tee-Untersorte der sogenannten Heicha 黑茶 oder Dark teas, die besonders im Südwesten Chinas angebaut und verarbeitet werden. Pu-erh an sich gibt es qua Definition eigentlich nur aus Provinz Yunnan 云南, und dort insbesondere aus den Bezirken Xishuangbanna 西双版纳, Puer 普洱, Lincang 临沧 und Baoshan 保山 auf die der Großteil der Produktion entfällt. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Tees wird Pu-erh auch nicht aus Camellia-sinensis var. Sinensis gewonnen, sondern hauptsächlich aus Camellia-sinensis var. Assamica – manchmal wird auch einfach qingmao 青毛 gesagt. Am ehesten kann man Pu-erh mit Wein vergleichen: auch hier gibt es verschiedene Terroirs, Hersteller und Jahrgäng. Man lässt den Wein auch reifen.

 

Pu-erh Tee Unterscheidungen

Pu-erh Tee gibt es in allen erdenklichen Formen: lose (sancha 散茶), Scheiben (bingcha 饼茶), Nestern (tuocha 沱茶), Ziegel (zhuancha 砖茶), Melonen (guacha 瓜茶), usw. Jedoch der wahre Reiz liegt hier nicht in der Form sondern in der geschmacklichen Diversität! Jede Region, jedes Dorf, sogar einzelne Teebäume bzw. Büsche haben Ihre Geschichte und Charakter. Viele Neulinge hören Namen wie Yiwu 易武, Laobanzhang 老班章, Bingdao 冰岛, Jingmai 景迈, Bulang 布朗, Menghai 勐海 und sind schon verwirrt, dazu kommt noch eine Unzahl an alten und neuen Herstellern wie Dayi 大益, CNNP 中茶 oder Fuhai 福海. Weiter unterscheiden wir dann noch einmal nach Herstellungsprozess (roh/grün [sheng 生] vs. gekocht/künstlich postfermentiert [shu/shou 熟]), Material (Plantagenbüsche [taidi 台地] vs. alte Teebäume [gushu 古树] und alles dazwischen) und Jahrgang. Jedoch ohne den großen Unterschied, die Fermentation durch Feuchte, Temperatur, Zeit, Mikroorganismen und Pilze wie Penicillium chrysogenum, Rhizopus chinensis und Apergillus clavatus gäbe es auch keine Heicha oder Pu-erh Tee.

 

Pu-erh Tee Geschmack

Damit wären wir auch bei den verschiedenen Geschmacklichen Varietäten: es geht von z.B. von erdig, holzig, ledrig, Schokolade, Karamell, Kräuter, Heu, Minze, Campher, Medizinschrank, alte Bücher und noch mehr sind alles Assoziationen die man finden kann, der sich über die verschiedenen Aufgüsse verändert, ja eine Geschichte erzählt, wenn man hinhören mag.

 

Pu-erh Tee Herstellung

Sheng , bzw. roh oder grün (engl. raw), ist die traditionelle bzw. natürliche Methode, einen Pu-erh herzustellen. Die ersten paar Jahre ist er wahrlich noch grünlich. Jedoch durch die Faktoren Zeit, Feuchte, Wärme und verschiedenen beteiligten Organismen durchläuft er wie Wein oder Käse einen Fermentationsprozess, bei dem sich der Tee bei ca. 20-30 Jahren auf dem geschmacklichen Höhepunkt befindet.

Shou/shu , bzw. gekocht oder künstlich fermentierter Tee (engl. ripe) ist eine Anfang der 1970er Jahre erdachte Methode (zumindest für Pu-erh) den natürlichen Fermentationsprozess abzukürzen. Ganz simpel gesagt, wird mehr Feuchtigkeit und Organismen zugeführt, damit der Faktor Zeit schrumpft. Was anfangs vielleicht als Ersatz gedacht war, ist heute eigene eine Untersorte im Pu-erh-Universum. Bei Interesse geht es hier weiter.

 

Bio Pu-erh Tee

Bio bzw. biologisch angebaute Tees findet man recht oft in Yunnan, jedoch findet man kaum solche im Handel als Bio deklarierte Produkte – vor allem keine wirklichen hochwerten Pu-erh Tees. Warum? Der hiesige (Europäische Union) Pu-erh Markt ist zu klein und der Gesetzgeber verlangt ein relativ zeit- und kapitalintensives Verfahren. Das lohnt sich schlicht für viele Hersteller nicht, da sie ihre hochwertigen Tees problemlos zu teilweise phantastischen Preisen auch in Asien loswerden.

Es gibt aber trotzdem nach chinesischen Bio-Standards produzierte Ware, die aber hierzulande nicht als Bio vertrieben werden darf, da natürlich die Grenzwerte und Anforderungen ganz anders sind.

 

Pu-erh Tee Zubereitung

Westlich Zubereitung findet in einen großen Kanne statt: einfach ein kleines Stück abbrechen, ca. 4-5g auf 1 Liter und dann einfach mit 90°C oder mehr übergießen. Nach 1-2 Minuten kann man dann schon seinen Tee trinken. Nicht für Mehrfachaufgüsse geeignet!

Grandpa heißt im Westen die in China am weit verbreitest Methode Tee zu trinken. Hier wird ein große Glas oder Tasse auch wieder mit 2-3g gefüllt. Einfach wieder mit 90°C oder mehr heißem Wasser auffüllen. Dann kurz warten bis die gewünschte Trinktemperatur erreicht ist. Aber Vorsicht! Man trinkt den Inhalt jedoch nie ganz leer, sondern belässt ca. 1/3 in der Tasse oder Glas. Danach noch mal aufgießen so oft man mag und es schmeckt.

Gongfu (-cha) 功夫茶 ist die idealste Methode, jedoch aufgrund von Zeit-, Hardware-, oder Lustmangel nicht immer zu praktizieren. Jedoch kann man es auf ein essenzielles Maß zusammenschrumpfen wie folgt: Eine Kanne und ein weiteres Trinkgefäß wie Tasse oder Glas. Optional noch Sieb und ein „Zwischengefäß“ auch Pitcher/Fair Cup oder Gongbei公杯 genannt. Man gibt jetzt in eine kleine Kanne (meinetwegen Yixingkännchen mit 150 ml Fassungsvermögen) relativ viel Tee von 5g (was in Relation Volumen-Tee zu Grandpa oder westlicher Methode wirklich viel ist) und gießt diese auch wieder mit min. 90°C heißem Wasser auf, jedoch gießt man den ersten Aufguss nach ca. 15 Sekunden entweder in den Trinktasse oder Pitcher. Et Voila, der erste Aufguss ist geschafft! Nach gleichem Muster können wir nun weitere Aufgüsse machen, wobei nur die Ziehzeit graduell ansteigend variiert wie z.B. 15 Sekunden, 25 Sekunden, 35 Sekunden, 50 Sekunden, 70 Sekunden, 100 Sekunden usw. bis man keine Lust mehr hat oder der Tee nichts mehr hergibt. Erfahrungsgemäß geht das aber meist über 10 Runden! Man kann die Temperatur, Ziehzeit und Tee Menge nach dem eigenen Geschmack verändern. Mehr heißt intensiver. Einfach ausprobieren!

Warum diesen Aufwand? Weil man so der Geschichte des Tees besser lauschen kann (die geschmackliche Veränderung). Weil man erstens als Sparfuchs wesentlich mehr aus dem Tee bekommt. Weil es eine gewisse meditative Funktion hat.

Und bitte auf das Wasser achten! Ein Leitungswässerchen in Deutschland ist zu 95% nicht geeignet. Genauso der total verkalkte Wasserkocher. Sauber machen. Kalk killt den Geschmack optisch und sensorisch. Besser ein gescheites Mineralwasser oder gefiltertes Leitungswasser verwenden, wenn man nicht grade eine natürliche Quelle vor der Haustür hat. Hier gibts mehr.

 

Pu-erh Tee TCM, Wirkung, Abnehmen und Kapseln

In der traditionellen chinesischen Medizin TCM ist shu Pu-erh auf jeden Fall warm zuzurechnen. Junger sheng Pu-erh geht eher in die kalte Richtung wird jedoch mit zunehmenden Alter immer „wärmer“. Dem Tee werden zahlreiche positive Eigenschaften zugesprochen u.a. entgiftend, entschlackend, antibakteriell, Leberstoffwechselanregend, verdauungsregulierend, stimmungsaufhellend und harnsäuresenkend. Was man jedoch davon glauben mag, bleibt einem selbst überlassen.

Wirklich negative Nebenwirkung wie erhöhte Knochenbruchgefahr konnte widerlegt werden. Jedoch wird bei exzessivem Konsum, vor allem minderwertiger Ware, in Tibet von Fluorose berichtet. Für Kinder ist Pu-erh Tee generell nicht geeignet!

Beim Abnehmen kann Pu-erh helfen, zumindest legen das gewisse Studien nahe, jedoch wie immer kann keine Pu-erh Diät eine ganzheitlichen Ansatz ersetzten. Tee ist gesund, aber kein Wundertrunk.

Pu-erh Kapseln sind möglicherweise sogar gefährlich, und es gibt einschlägige Warnungen der Verbraucherzentralen wegen Verunreinigungen. Auch braucht man sich nicht einbilden, alle tolle in eine Kapsel pressen zu können. Mehr kann hier gelesen werden.

 

Pu-erh Tee Lagerung und Aufbewahrung

Ganz kurz und simpel: dunkel, trocken, nicht komplett luftdicht, aber auch fern von Fremdgerüche. Ideal ist z.B. ein Keramikgefäß mit einem Leinentuch abgedeckt im Schlaf- oder Gästezimmer. Küche und Bad unbedingt vermeiden. Wohnzimmer geht nur bedingt, weil je nach Nutzung doch ab und zu oder sogar regelmäßig gewisse Geruchswellen durchwehen. Mehr kann hier gelesen werden.

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